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10 Tricks, wie du charismatisch wirst

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Erfahre, wie du bei deinen Mitmenschen einen positiven Eindruck hinterlässt:

Wenn Barack Obama redet, hören alle zu. Er fesselt nicht nur mit seinen Worten, sondern auch mit seiner Art. Er inspiriert. Seine Anhänger sind bereit, viel zu investieren, um ihn zu unterstützen. Wenn du solch einen charismatischen Menschen erlebst, denkst du vielleicht wie viele andere auch, dass du selbst nicht in der Lage wärst, andere so zu begeistern und zu beeinflussen.

Allerdings ist Charisma nicht angeboren – theoretisch kann jeder charismatisches Verhalten erlernen. Olivia Fox Cabane hat sich intensiv mit Führungsqualitäten und dem dazugehörenden Charisma beschäftigt. Sie hat mit vielen führenden Persönlichkeiten zusammengearbeitet und ihnen geholfen, sich Führungseigenschaften anzueignen. In Das Charisma-Geheimnis entmystifiziert sie diese begehrenswerte Eigenschaft und gibt Tipps, wie jeder von uns charismatischer wirken kann.

In diesen Artikel lernst du,

  • welche unterschiedlichen Charisma-Stile Bill Gates und der Dalai Lama haben,
  • warum dein Körper mehr sagt als deine Worte, und
  • wie Charisma dich vor dem Galgen retten kann.

Charisma kann ich vielen Lebensbereichen zu Erfolg verhelfen

Sicher hast du schon mal einen Menschen kennengelernt, der dich komplett in seinen Bann gezogen hat. Manchen scheint es unglaublich leicht zu fallen, ihre Mitmenschen mitzureißen und Fans anzuhäufen. Oft spiegelt sich diese positive Außenwirkung auch in ihrem persönlichen Leben wider. Charismatische Menschen sind überdurchschnittlich erfolgreich: Sie verdienen mehr Geld, sind erfolgreicher in der Liebe und erleben weniger Stress.

Der Effekt von Charisma zeigt sich früh. Schon in der Schule profitieren charismatische Persönlichkeiten von ihrer Ausstrahlung. Solche Schüler nehmen eher führende Rollen in Schulorganisationen ein. Der Chefredakteur einer Schülerzeitung gehört z.B. wahrscheinlich in die Kategorie der charismatischen Menschen. Außerdem verhilft ihnen die positive Außenwirkung zu Beliebtheit unter ihren Mitschülern, was wiederum ihr Selbstbewusstsein in sozialen Situationen fördert.

Auch im späteren Berufsleben kann Charisma eine wichtige Rolle spielen: Es erhöht den Sympathiewert, steigert das Vertrauen der Kollegen und die Führungsqualitäten. Charme auszustrahlen, hilft bei allen Karriereaspekten, ob bei der Bewerbung oder der Beförderung. Laut Studien erhalten charismatische Menschen höhere Leistungsbewertungen und werden sowohl von Vorgesetzten als auch Untergeordneten als effektiver gesehen.

In vielen verschiedenen Berufen profitieren charismatische Menschen. Bei Wissenschaftlern vergrößert sich beispielsweise die Chance, Artikel zu veröffentlichen, mehr Forschungsförderung zu erhalten oder die beliebtesten Kurse zu unterrichten.

Charismatische Ärzte werden von Patienten als sympathisch empfunden, wodurch sich die Anzahl ihrer Patienten erhöht. Bei Problemen oder Fehlverhalten werden sie weniger häufig verklagt. Die Sympathie wirkt sich sogar positiv auf die Gesundheit der Patienten aus: Diese halten Anweisungen der Ärzte während der Behandlung eher ein.

Charisma scheint ein Wundermittel der Persönlichkeit zu sein, um ein erfolgreiches Leben zu führen. Aber ist solch eine Qualität nur bestimmten Menschen angeboren oder kann jeder charismatisch sein?

Charisma ist keine angeborene Eigenschaft, sondern das Resultat ganz bestimmter Verhaltensweisen

Ein charismatischer Mann unterhält sich auf einer Party mit einer Gruppe von Leuten. Alle Augen sind auf ihn gerichtet, sie scheinen fast von ihm verzaubert. Ein stiller, schüchterner Typ verfällt in dieser Situation schnell in das Denken: „So könnte ich nie sein“. Doch das stimmt nicht. Charisma ist keine angeborene Qualität, sondern das Resultat bestimmter Verhaltensweisen, die sich jeder aneignen kann.

Wenn Charisma eine angeborene Eigenschaft wäre, würden charismatische Menschen immer fesselnd wirken. Dem ist aber nicht so: Der charismatische Mann von der Party könnte z.B. am nächsten Tag einen eher langweiligen Eindruck erwecken. Was wie eine Art magische Aura wirkt, wird nämlich durch bestimmte nonverbale Verhaltensweisen kreiert. Dadurch kann solch eine Ausstrahlung in verschiedenen Stufen auftreten, je nachdem, wie eine Person sich verhält.

Manche Menschen erscheinen manchmal charismatisch und manchmal nicht. Marilyn Monroe konnte diese Eigenschaft quasi an- und ausschalten. Als Norma Jean fuhr sie mit der Bahn, unauffällig, ohne von irgendeinem Fahrgast bemerkt zu werden. Auf der Leinwand und vor der Kamera wurde sie zu Marilyn, der Frau, die mit Selbstbewusstsein und Charme die Menschen bezirzte.

Eine wirklich charismatische Ausstrahlung erscheint so natürlich, dass wir oft nicht merken, dass eine Person sich dieses Verhalten erarbeitet hat. Und das ist keine Seltenheit: Einige bekannte Figuren mussten sich Charisma aneignen, um in der Öffentlichkeit als kompetent und vertrauenserweckend wahrgenommen zu werden. Steve Jobs hat beispielsweise jahrelang an seinem Charisma gefeilt. Anfangs wirkte er in seinen Präsentationen verlegen und unbeholfen. Nach einiger Zeit entwickelte er sich jedoch zu dem charismatischen Steve Jobs, der uns in Erinnerung geblieben ist, dem Mann, der ein großes Publikum fesseln kann.

Der Mythos von Charisma besagt, dass nur wenige glückliche Leute ihre Mitmenschen mühelos in ihren Bann ziehen können. Die Eigenschaft entsteht jedoch durch gewisse Verhaltensweisen und ist dadurch viel flexibler, als wir denken. Sie kann erworben, erarbeitet, an- und ausgeschaltet werden.

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Charisma entsteht durch Körpersprache   und diese beginnt im Kopf

Zwei Personen sitzen nebeneinander. Die eine hat die Arme gekreuzt und starrt auf ihre Schuhe. Die andere sitzt aufrecht und lächelt. Ob wir es wollen oder nicht, wir formen blitzartige Meinungen über Menschen. Die Person mit verschränkten Armen wird als schüchtern und zurückhaltend eingestuft, die andere als selbstbewusst und zufrieden. Unser Unterbewusstsein nimmt nämlich Millionen Signale wahr, die meistens ebenso unbewusst von einer Person ausgesendet werden: Das ist das Phänomen der Körpersprache.

Unser Körper und unsere Haltung tragen unseren inneren Zustand nach außen. Auch wenn wir Emotionen wie Angst und Nervosität lieber für uns behalten möchten, drücken wir diese durch Mikroexpressionen aus, die von Beobachtern wahrgenommen werden. Menschen spüren, dass etwas nicht stimmt. Andersherum können solche Signale auch positive Zustände widerspiegeln und beispielsweise charismatisch wirken.

Genauso wie wir Emotionen und innere Zustände nicht immer verstecken können, ist es auch nicht möglich, auf Knopfdruck eine charismatische Körpersprache zu entwickeln. Dies erkennen wir beispielsweise am Lächeln. Bei einem echten Lächeln heben sich die äußeren Mundwinkel und die Augenbrauen werden weich und neigen sich zur Mitte hinunter. Ein aufgesetztes Lächeln hingegen bewegt nur die Mundwinkel. Wenn die Augen nicht mitlächeln, erkennen wir den Unterschied.

Wie aber können wir unsere Körpersprache beeinflussen? Da wir sie nicht direkt kontrollieren können, müssen wir auf unser Unterbewusstsein zurückgreifen, welches für nonverbale Signale zuständig ist. Unser Gehirn kann den Unterschied zwischen Fantasie und Realität nicht ausmachen. Daher können wir einen inneren charismatischen Zustand erschaffen, den unsere Körpersprache wiederum als authentisch nach außen trägt.

Situationen, die aus unserer Vorstellungskraft entstehen, führen unser Gehirn dazu, die gleichen Signale an den Körper zu schicken, als wären sie real. In der Medizin kennen wir dies als Placebo-Effekt. Ebenso können wir unsere Körpersprache austricksen, wenn wir uns vorstellen, dass wir eine selbstbewusste, clevere und interessante Persönlichkeit sind.

Du siehst also, dass die innere Einstellung viel damit zu tun hat, wie charismatisch wir auf andere durch Körpersprache wirken. Das gilt ebenso für eine weitere zentrale Eigenschaft von Charismatikern: Präsenz.

Ein charismatischer Mensch zeigt volle Präsenz

Smalltalk auf Veranstaltungen kann schnell langweilig werden. Gespräche werden aus Höflichkeit geführt, aber der Gesprächspartner nickt nur halbherzig und ist mit den Gedanken eigentlich ganz woanders. Durch diese mentale Abwesenheit wirken Gesprächspartner nicht authentisch und uninteressiert. Ein charismatischer Mensch hingegen sticht durch das Gegenteil heraus: durch Präsenz.

Sobald ein Gesprächspartner Präsenz zeigt, ändert sich unsere Einstellung und unsere Haltung ihm gegenüber. Präsenz bedeutet, jeden Moment bewusst wahrzunehmen, der anderen Person volle Aufmerksamkeit zu schenken und konzentriert zuzuhören. Dieses Verhalten generiert Vertrauen und Loyalität.

Immer mit den Gedanken im Moment zu bleiben, ist gar nicht so leicht. Unser Gehirn reagiert automatisch auf wichtige, komplexe Reize. Diese Eigenschaft war für unsere Vorfahren überlebensnotwendig. Sie mussten immer wissen, was um sie herum geschieht, um potentielle Gefahren zu meiden.

Außerdem leben wir in einer Welt stetiger Stimulation und Ablenkung. Dies kann zu einem Zustand kontinuierlicher Teilaufmerksamkeit führen, in dem wir nie einer Sache unsere volle Aufmerksamkeit schenken können. Eine Studie zeigte, dass bei einem durchschnittlichen Menschen die Gedanken fast die Hälfte der Zeit wandern. Das bedeutet, dass wir bei so gut wie allen Aktivitäten über etwas anderes nachdenken als das, womit wir uns in dem Moment beschäftigen. Die einzige Ausnahme war der Geschlechtsverkehr.

Doch wenn du es schaffst, die wandernden Gedanken still zu halten und volle Präsenz zu zeigen, kannst du dich von der Masse abheben und Menschen werden in deiner Nähe das Gefühl bekommen, etwas Besonderes zu sein.

Schon ein in einem fünfminütigen Gespräch mit einer Person kannst du ihn für dich gewinnen und eine emotionale Verbindung zwischen euch herstellen. Vollständig im Moment präsent zu sein, macht dich so charismatisch, dass du jemanden in nur fünf Minuten für dich gewinnen kannst.

Präsenz ist aber nicht der einzige Schlüsselfaktor für einen charismatischen Auftritt. Wie wir gleich sehen werden, machen Charismatiker zwei wichtige Zutaten aus: Macht und Wärme.

Charisma entsteht durch eine Kombination aus Macht und Wärme

Wir umgeben uns gern mit Menschen, die Macht und Güte gleichzeitig ausstrahlen. Warum ist das so?

Eine mächtige Person, die uns gegenüber auch noch wohlwollend ist, kann in kritischen Situationen unser Lebensretter sein. Der Instinkt, sich solchen Menschen anzuschließen, gehört schon immer zu unserer menschlichen Überlebensstrategie. Früher konnte z.B. die physische Stärke eines Freundes wichtig sein, um uns vor einem Säbelzahntiger zu schützen, oder es war ein Segen, einen König zum Freund zu haben, durch dessen Einfluss man einer Hinrichtung entgehen konnte.

Im Umgang mit Menschen suchen wir automatisch nach einer Kombination aus Macht und Herzenswärme und forschen nach deren Signalen und Zeichen an Menschen, die wir dann als Freunde gewinnen wollen.

Tatsächlich macht nur diese Kombination von Macht und Wärme den ganzen Zauber aus. Macht allein beeindruckt uns vielleicht, wirkt aber ohne Wärme arrogant und spröde. Andersherum sammelt ein gutmütiger Mensch zwar Sympathiepunkte, aber ohne Macht macht er eher einen unterwürfigen als einen charismatischen Eindruck.

Vergleichen wir etwa die beiden Kandidaten William Gladstone und Benjamin Disraeli, die 1868 zum Wahlkampf in Großbritannien antraten und beide gleichermaßen Kompetenz, Intelligenz und Wissen verkörperten.

Beide Männer aßen unabhängig voneinander mit einer Dame zu Abend, die später kommentierte, dass Gladstone sie zwar mit seiner Macht und seinem Wissen beeindruckt hatte, Disraeli aber zusätzlich auch Herzlichkeit ausgestrahlt und seiner Gesprächspartnerin damit das Gefühl gegeben hatte, sie sei intelligent und faszinierend.

Am Ende des Abends resümierte die Dame: „Nach dem Essen mit Mr. Gladstone dachte ich, er sei die intelligenteste Person Englands. Nach dem Essen mit Mr. Disraeli dachte ich, ich sei die intelligenteste Person Englands.“ Kein Wunder, dass Disraeli die Wahl gewann.

Die Verbindung von Macht und Herzenswärme ist also wichtig, um als charismatisch wahrgenommen zu werden. Um dies umzusetzen, solltest du dir allerdings die verschiedenen persönlichen Charisma-Stile anschauen, die wir im nächsten Abschnitt unter die Lupe nehmen.

“Sprich mit den Menschen über sie selbst, und sie werden dir stundenlang zuhören” 

Benjamin Disraeli

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Für jeden Topf den passenden Deckel: Charisma erscheint in verschiedenen Stilen , die persönlichkeits- und situationsabhängig sind

Charisma erkennen wir sofort. Doch überraschenderweise können die unterschiedlichsten Leute charismatisch wirken. Bill Gates und der Dalai Lama ziehen Menschen gleichermaßen auf ihre Seite, haben jedoch sehr verschiedene Persönlichkeiten und Ziele. Das liegt daran, dass es unterschiedliche Arten von Charisma gibt, die auch in unterschiedlichen Situationen angewandt werden.

Charisma kann in vier Kategorien aufgeteilt werden: Fokus-Charisma, Visionäres Charisma, Güte-Charisma und Autorität-Charisma. Bill Clinton konnte mit Fokus-Charisma seinen Mitmenschen das Gefühl geben, dass er ihnen seine volle Aufmerksamkeit zeigt. Als Visionär inspirierte Steve Jobs mit seinen zukunftsweisenden Ideen. Mit seiner Gutherzigkeit erweckt der Dalai Lama in Menschen das Gefühl, wirklich gesehen und akzeptiert zu sein. Und von Bill Gates mit seinem autoritären Charisma glauben die Leute, dass er die Macht besitzt, ihre Welt zu beeinflussen.

Doch welche Art von Charisma ist die richtige für dich? Die passende Variante basiert auf drei Aspekten: deiner Persönlichkeit, deinen Zielen und deiner Situation.

Bei der Wahl eines Stils solltest du nicht entgegen deiner Persönlichkeit handeln. In der US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2004 versuchte Kandidat John Kerry, sein intellektuelles Fokus-Charisma herunterzuschrauben, um zugänglicher zu wirken. Dies war jedoch nicht authentisch und schreckte die Menschen ab, die er mit seiner wahren Persönlichkeit angezogen hatte.

Ebenso wichtig sind das Ziel und die Situation. Wenn du beispielsweise schlechte Nachrichten übermitteln sollst, ist Güte-Charisma der richtige Weg. Die angesprochene Person kann die Nachricht besser aufnehmen und fühlt sich sicher bei dir. Eine andere Art Charisma, etwa das der Autorität, würde in diesem Fall als arrogant oder herzlos wirken.

Sehr charismatische Menschen können auch zwischen verschiedenen Stilen wechseln oder sie kombinieren. Hayes Barnard, ein für seine Ausstrahlung bekannter CEO, nennt sich beispielsweise „Schweizer Taschenmesser“, da er sich jeder Situation anpassen kann. Wenn er sich durch einen Raum bewegt, verändert sich seine Stimme und seine Körpersprache, je nachdem, mit wem er spricht.

Charisma kommt in vielen verschiedenen Formen vor und du musst für dich die beste Variante finden. Welchen Stil du auch wählst: Es gibt eine bombensichere Taktik, charismatisch zu wirken. Und die lernst du im nächsten Abschnitt kennen.

Auf den ersten Blick: Durch den ersten richtigen Eindruck etablieren wir unser Charisma

Auf einer kleinen, zwanglosen Party tragen alle Jeans und T-Shirt, bis plötzlich eine überschminkte Frau im Abendkleid und High Heels den Raum betritt. Sofort stuft man die Dame als oberflächlich ein, auch wenn die Gäste sie später besser kennenlernen. Dieser erste Eindruck bleibt wie ein Kaugummi hängen, denn wir erinnern uns am intensivsten an unsere erste Begegnung mit einem Menschen.

Der erste Eindruck bildet daher ein wichtiges Puzzleteil von unserem Charisma. Um einen guten zu hinterlassen, sollten wir anderen das Gefühl geben, dass sie uns ähnlich sind.

Menschen mögen es, wenn sie sich zugehörig fühlen. Und das passiert, wenn sie jemanden treffen, der ihnen in ihrem Aussehen, Verhalten und ihrer Sprache ähnelt. Sie nehmen dann an, dass sie den gleichen sozialen Hintergrund, eine ähnliche Bildung und dieselben Werte teilen.

Eine Analystin der Deutschen Bank hatte beispielsweise Probleme, eine gute Beziehung zu ihrem Vorgesetzten aufzubauen. Der Chef verhielt sich schroff, fast militärisch und verwendete im Alltag oft kriegsbezogene Begriffe. Sie begann daraufhin ebenfalls, militärische Analogien wie „loyaler Soldat“ und „guter Leutnant“ in ihre Gespräche mit dem Chef einzubauen. Nach einer Woche hatten sich die Interaktionen mit ihm deutlich verbessert.

Wenn wir erst mal einen guten Eindruck auf jemanden gemacht haben, beeinflusst diese Erfahrung unsere Beziehung langfristig. Das liege laut dem Wirtschaftswissenschaftler John Kenneth Galbraith daran, dass wir versuchen, unseren ersten Eindruck zu bestätigen, anstatt ihn zu entkräften. Schließlich stellt sich das erste Bild, das wir von jemandem haben, häufig auch als richtig heraus. In einer Studie der University of Texas, Austin, konnten Teilnehmer anhand eines einzelnen Fotos neun von zehn Charaktereigenschaften wie Pflichtbewusstsein oder Extroversion korrekt beurteilen.

Deine Wirkung entfaltet sich durch scheinbare Kleinigkeiten wie z.B. einen Händedruck. Dieses Ritual ist ein wichtiger Schritt zur Intimität und bedarf Vertrauen. Der Handschlag besiegelt den ersten Schritt einer Beziehung – ist er zu lasch oder zu fest, hinterlässt das keinen guten Eindruck. Wenn ein CEO eine Stelle besetzen will, entscheidet sie sich bei zwei gleich starken Kandidaten z.B. für den mit dem besseren Händedruck.

Der erste Auftritt zählt also. Kommen wir nun zu einigen typischen Hindernissen, die dem Charisma im Weg stehen.

Charisma bedeutet, mentales und physisches Unwohlsein zu überwinden

Auch die selbstbewussteste Person hat mal einen schlechten Tag. Ob schlecht geschlafen oder unvorbereitet, auch eine eigentlich selbstsichere Person kann wie ein ganz anderer Mensch erscheinen und Unsicherheit oder Nervosität ausstrahlen. Unwohlsein, ob physisch oder mental, wirkt sich auf unser Verhalten, unsere Leistungsfähigkeit und unser Charisma aus.

Wenn du z.B. hungrig bist, kannst du vielleicht nicht mehr klar denken und wirst reizbar, weil dein niedriger Blutzuckerspiegel deine Emotionen aus dem Ruder geraten lässt. Wenn dieses Unbehagen sich in deiner Körpersprache niederschlägt, hat das natürlich Auswirkungen auf deine Aura.

Schauen wir uns Tom an, einen Berater, der beinahe einen 4-Millionen-Dollar-Deal verloren hätte, weil er sich nicht wohl fühlte.

Tom traf sich mit einem potenziellen Kunden. Er trug einen schwarzen Wollanzug und saß damit direkt in der Sonne. Die Wolle kratzte, Tom versuchte, mit dem Finger den Rand seines Kragens zu lockern. Da er direkt in die Sonne schaute, waren seine Augen verspannt. Toms Unbehagen führte zu einer unsicheren und genervten Körpersprache, die sein Kunde Paul als Inkompetenz zu deuten begann.

Auch mentales Unbehagen spielte hier eine Rolle. Bei Tom baute sich in den Wochen vor dem Treffen viel Druck auf. Er spielte verschiedene Szenarien in seinem Kopf durch und wurde nervös. So entstand eine Anspannung, die sich in Toms Körpersprache während des Treffens widerspiegelte. Menschen können mit Unsicherheit schlecht umgehen und verlieren durch sie an Präsenz – beides wirkt sich negativ auf unser Charisma aus.

Es gibt jedoch Gegenmaßnahmen, um solch charismaminderndes Unbehagen zu verhindern: nämlich vorbeugen, erkennen oder erklären. Um Unwohlsein vorzubeugen, hätte Tom einen kühleren Treffpunkt auswählen können, an dem ihn die Sonne nicht blendet.

Sich selbst zu beobachten und Probleme zu erkennen, kann auch unsicheres Verhalten verhindern. Tom hätte auf sich selbst achten und erkennen können, dass er in einer unbequemen Situation steckt und diese sich auf die Wahrnehmung von Paul auswirkt. Durch dieses Bewusstsein entsteht die Möglichkeit, die Situation durch eine Erklärung zu entspannen. Tom hätte beispielsweise darauf hinweisen können, dass ihn die Sonne blendet, und den Platz wechseln können.

Physisches und mentales Unbehagen gehört zu den Gegnern von Charisma. Es gibt jedoch genügend Möglichkeiten, diese zu umgehen oder zu überwinden.

Durch Entdramatisierung können wir negative Gefühle überwinden

Wie Tom sich vor seinem wichtigen Treffen von negativen Gefühlen hat überrumpeln lassen, ist es manchmal schwierig, Emotionen wie Angst und Nervosität auszuschalten. Solche Zustände behindern unser Charisma. Wir können aber damit umgehen, indem wir uns daran erinnern, dass wir diese Erfahrung nicht alleine durchmachen und dass sie nur halb so schlimm ist.

Durch Entdramatisierung können wir unsere negativen Emotionen entschärfen, indem wir die Situation relativieren und uns klarmachen, dass wir nichts wirklich ernsthaft Schlimmes erleben. Michael, ein Unternehmensberater, erhielt z.B. eine negative Nachricht von seinem größten Kunden. Angst durchflutete ihn und er war sicher, dass der Kunde den Vertrag kündigen würde.

Er entdramatisierte die Situation allerdings und erinnerte sich, dass Angst nur eine physische Reaktion ist. Er betrachtete sich von außen und sah einen Menschen in einem Zimmer – nichts Dramatisches.

Ebenso hilft es, die Emotionen nicht als die riesige Last eines Einzelnen zu sehen, sondern sie mit den ähnlichen Gefühlen von anderen in Verbindung zu bringen. So erkennen wir, dass unsere Gedanken und Gefühle in Ordnung sind und von anderen auch erlebt werden. Wenn wir uns Leute vorstellen, die eine ähnliche Situation erlebt haben – besonders Menschen, die wir bewundern –, beruhigt dies sofort.

Besonders bei Schamgefühlen ist Entdramatisierung ein mächtiges Instrument, um diese zu bändigen. Scham weist auf die Angst hin, nicht geliebt zu werden, und auf das Gefühl von persönlichen Mängeln. Solch eine tief sitzende Unsicherheit wirkt sich besonders negativ auf Charisma aus. Auch diese können wir relativieren, indem wir uns daran erinnern, dass dieses Gefühl normal ist und andere es auch durchleben.

Negative Gefühle wie Angst, Unsicherheit und Scham erleben wir alle. Um charismatisch zu wirken, müssen wir jedoch lernen, diese Emotionen zu überwinden.

Negative Gefühle sind Teile des Lebens und sollten entstigmatisiert und neutralisiert werden

In unserer Gesellschaft herrscht viel Druck, die bestmöglichen Ergebnisse zu liefern. Viele sind mit ihrer Arbeit unzufrieden, wenn sie nicht ihren hohen Erwartungen entspricht. Dadurch fällt es Menschen schwer, Schwäche zu zeigen und negative Gefühle zu akzeptieren. Diese gehören allerdings zum Leben dazu. Wir sollten lernen, sie zu entstigmatisieren und zu neutralisieren, anstatt sie zu verdrängen.

Natürliche Gefühle wie Unbehagen und Unzufriedenheit gehören zu unserer menschlichen Existenz dazu, sie sollten von ihrem negativen Stigma befreit werden. Oft versuchen wir, sie zu ignorieren, da wir denken, dass etwas falsch läuft, wenn wir uns nicht wohl fühlen. Wenn wir uns jedoch umschauen, sehen wir, dass niemand sich vor Negativität verstecken kann. Sogar der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh erlebte einmal solch eine Wut, dass er einen Mann schlagen wollte. Wir können negative Emotionen nicht ausschalten, aber wir können sie als natürlich annehmen.

Ein zweiter Schritt, um mit Negativität umzugehen, liegt darin, sie zu neutralisieren. Das schaffen wir, indem wir uns darüber klar werden, dass unsere Gedanken nicht unbedingt akkurat sind. Wir nehmen an, dass unsere Gedanken der Realität entsprechen, aber in Wirklichkeit bekommen wir nur Bruchteile des Geschehens um uns herum mit.

Kommen wir auf Tom zurück, dessen Verhalten auf Paul abweisend und unprofessionell wirkte, obwohl Tom lediglich mit seiner Kleiderwahl und der Sonne in seinen Augen zu kämpfen hatte.

Wenn du das nächste Mal einen Fehler machst, ein negatives Gefühl erlebst oder dich unwohl fühlst, denk dran, dass negative Gefühle ein Teil des Lebens sind. Damit wirkst du souverän und deinem nächsten charismatischen Auftritt steht nichts mehr im Weg.

Die Kernaussage dieses Artikels ist:

Charismatische Menschen sind beliebt und üben viel Einfluss aus. Viele beneiden sie um diese „Gabe“, dabei handelt es sich gar nicht um eine angeborene Eigenschaft, sondern um eine Kombination aus verschiedenen Verhaltensweisen, deren Resultat eine charismatische Ausstrahlung ist. Je nach Situation und Ziel, können wir Charisma erwerben und unterschiedlich einsetzen.

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